Historisches

Hausgeschichte „Hotel Eisenbahn“

Das heutige Hotel zur Eisenbahn, Neue Bahnhofstraße 19, entstand am Ende des 19. Jahrhunderts aus drei ursprünglich separaten Anwesen mit den alten Hausnummern 43, 44 und 45. Sie lassen sich in den Steuerregistern des Stadtarchivs bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen.

Besitzer der Nummern 43 und 45 waren unterschiedliche Handwerker, immer wieder auch Familien, die dem bedeutendstem Erwerbszweck der Stadt, dem Weinbau, nachgingen.

Das Haus 44, es bildet heute die Ecke von Neue Bahnhofstraße und Jahnstraße, wird 1805 als Zenthaus bezeichnet. Es gehörte, in bisher ungeklärter Funktion, zum Zentgericht des Bischöflichen Amtes Karlstadt.

Damals hieß die Gasse, an derem östlichen Ende diese Häuser unmittelbar hinter der Stadtmauer lagen, noch die Büttnergasse. Sie endete an einem der zahlreichen seither abgetragenen Wehrtürme, dem Büttnerturm. Für die bis zur Mitte des 19. Jhdts. massiv vom Weinbau geprägte Stadt waren die Büttner eines der wichtigsten Gewerbe, stellten sie doch die unterschiedlichen bei Ernte, Kelterei und Ausbau benötigten Gefäße her.

Der Bau der Eisenbahnlinie Bamberg-Würzburg-Aschaffenburg ab 1850 beeinflusste nachhaltig die nun einsetzende industrielle Entwicklung der Stadt. 1880 legte man den Büttnersturm an und schuf so einen unmittelbaren Zugang von der Stadt zum Bahnhof und dem 1889 errichtetem Postamt. Die Büttnergasse, die nun in Neue Bahnhofstraße umbenannt wurde, war plötzlich eine der frequentiertesten Altstadtstraßen geworden.

Das erkannte auch der damalige Wirt des Gasthauses zum Anker, Alois Köhler. Zwischen 1886 und 1896 erwarb er die Häuser 43 bis 45 und betrieb dort ab 1888 als Filiale eine „altdeutsche Weinwirtschaft“, in der auch Kaffee verabreicht wurde.

1899 übernahm der Brauereibesitzer Alois Hock die Köhlerschen Betriebe, veräußerte aber die Häuser an der Neuen Bahnhofstraße noch im selben Jahr an den Restaurateur Phillip Hofmann. Unter ihm und seiner Frau Rosa wurde aus der Schankwirtschaft zunächst ein Gasthof, bald aber schon das „Hotel zur Eisenbahn“, dessen Küche sich rasch einen ausgezeichneten Ruf erwarb. Zu den Gästen des Hauses zählten u.a. Kronprinz Ruprecht von Bayern, Prinzregent Luitpold und Prinzregent Ludwig, der damalige letzte König von Bayern.

Hofmanns Tochter Hilde, verheiratete Lutz, die 1940 das Hotel vom Vater übernahm, führte den Betrieb durch die schweren Kriegs- und Nachkriegszeiten und machte ihn bis in die achtziger Jahre wieder zu einem Begriff für Karlstadts Gastronomie.

Nach 2-jähriger vollständiger Renovierung des Anwesens freute sich im Januar 1999 die Familie Heinze, die über 100-jährige gastliche Tradition des Hauses im neuen Stil fortführen zu können.

Im Jahr 2015 übernimmt Herr Michel Schultze dieses Hotel. Anfang dieses Jahres wurde grundlegend renoviert und den Gästen ein angenehmes Ambiente geschaffen, welches nun seit dem 1. März allen Besuchern zur Verfügung steht!